Erklärung des Vorstandes der Psychotherapeutenkammer Bremen zur Zukunft der Erziehungsberatungsstellen und Schulpsychologischen Dienste

Mit Sorge und Unverständnis verfolgt der Vorstand der Psychotherapeutenkammer Bremen die Diskussion um die personelle Reduzierung der Bremer Erziehungsberatungsstellen und des Schulpsychologischen Dienstes. Eine Einschränkung der Beratungsangebote aus finanziellen Erwägungen, wie sie vom Rechnungsamt des Landes Bremen angestoßen wurde, geht gänzlich an den aktuellen Erfordernissen vorbei. Die Kammer schließt sich der Kritik der betroffenen privaten und fachlichen Öffentlichkeit an, die mit vielfältigen Argumenten auf die drohende Schließung der Beratungsdiensten reagiert und ihre Kritik daran zum Ausdruck gebracht hat.

Der Vorstand der Psychotherapeutenkammer Bremen begrüßt allerdings die zugleich begonnene Bestandsaufnahme der Arbeit der Erziehungsberatungsstellen und Schulpsychologischen Dienste im Lande Bremen und die Beratungen über die Perspektiven dieser Dienste. Wir erwarten, dass der eingeleitete Entwicklungsprozess im Dienste der Qualitätssicherung und der Qualitätserweiterung stehen wird. Eine personelle Reduzierung der Fachdienste, insbesondere der Gruppe der PsychologInnen und PsychotherapeutInnen, scheidet für uns als Maßnahme aus, da Bremen im Verhältnis zu anderen Großstädten schon jetzt mit einem z.T. deutlich höheren Fallzahlenschlüssel belastet ist. Sparen bei den psychosozialen Beratungs- und Behandlungsangeboten führt zu erheblichen Nachfolgeproblemen und damit Nachfolgekosten: zunehmende Desintegration in Gesellschaft und Arbeitsleben, Drogenprobleme, Gewaltbereitschaft und Jugendkriminalität zeugen von den großen Herausforderungen im Kinder- und Jugendbereich, vor denen unsere Gesellschaft steht.

Die Psychotherapeutenkammer Bremen weist darüber hinaus darauf hin, dass die Einschränkung psychologischer und psychotherapeutischer Kompetenzen in den Beratungsstellen und Schulpsychologischen Diensten nicht zur Kostenverringerung beiträgt, da psychologische Diagnostik, Beratung und Therapie eine zentrale Rolle im Verständnis und der Behandlung auffälliger Kinder und Jugendlicher sowie deren Familie spielt.

Dies bezieht sich sowohl auf den Einzelfall, als auch auf das jeweils dahinter stehende gesamte System ‚Familie‘, ‚Schule‘ etc.. Die Vorstellung, die Aufgaben in den Beratungsstellen und Diensten auf in diesem Sinne systemische Beratung zu reduzieren und somit, gleichsam mit dem Gießkannenprinzip auch den Einzelfall zu treffen, ist dabei fachlich nicht zu rechtfertigen und wird den Klienten (Schüler, Eltern, Lehrer etc.) nicht annähernd gerecht. In diesem Zusammenhang muss schließlich auch den Überlegungen der Behörden, man könne die Einzelfallarbeit mit auffälligen Schülern, Kindern und Jugendlichen an die niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten delegieren, energisch widersprochen werden:

  • Psychotherapeutische Behandlung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen ist nur
  • möglich bei psychischen Störungen mit Krankheitswert. Erziehungsprobleme sind davon ausgeschlossen. Beratungen von Hilfe suchenden Kindern, Jugendlichen und Eltern müssten also von diesen privat bezahlt werden. Hier fände eine weitere Privatisierung von öffentlichen Aufgaben statt.
  • Bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Psychotherapeuten, die Kinder und
  • Jugendliche behandeln, muss überdies mit Wartezeiten von mehr als 6 Monaten gerechnet werden.

Zudem sind die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten infolge der eher zu geringen personellen Besetzung des Schulpsychologischen Dienstes und der Erziehungsberatungsstellen durch Beratungs- und Therapieanfragen von Eltern und Lehrern überlastet. Den Schulpsychologen und Psychologen der Erziehungsberatungsstellen kommt in diesem Kontext eine Bedeutung zu, die in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat. Frühzeitige Diagnostik und psychologische Intervention verhindern in vielen Fällen eine Ausweitung lösbarer Erziehungskonflikte zu psychischen Störungen bei den Kindern/Jugendlichen. Dieser wichtige Aufgabenbereich der Psychologen in den Erziehungsberatungsstellen und im schulpsychologischem Dienst sollte durch Kürzungen nicht eingeschränkt, sondern im Gegenteil weiter ausgebaut werden.

Zugehörige Dateien:
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