verDüNNisiert - wie essen, bloß rückwärts

19.06.2008: Nach zwei erfolgreichen Berliner Spielzeiten im Januar und Juni 2007, nach vielen weiteren Vorstellungen in Heidelberg, Tübingen, Wolfsburg, Greiz und auf dem Erlabrunner Tag der Psychotherapie, gastierte das Stück "verDÜNNisiert - wie Essen bloß rückwärts" mit großer Resonanz bei Jugendlichen und Erwachsenen und mit hoher Medienpräsens in Bremen.

In Kooperation mit Jugendlichen der Juniorfirma G.I.G.A.-EVENTS und Gangway e.V. (www.gangway.de) und unterstützt von Prominenten, wie Hella von Sinnen, Meret Becker, Bela B. Felsenheimer, Mieze (Mia) und Boris Aljinovic ist ein Theaterprojekt entstanden, das ehrlicher nicht sein könnte. In eindrücklichen Bildern inszeniert der Berliner Regisseur Jens Hasselmann dieses Stück über die Leiden einer jungen Bulimikerin. Die 24-jährige Schauspielerin Marie Luise Gunst (als Mia) zieht das Publikum mitten in einen bulimischen Alptraum, der ihr eigenes Leben 13 Jahre lang beherrschte.
Aus ihren Tagebüchern entwickelt Hasselmann ein Stück, das den getriebenen Tagesablauf zwischen Kühlschrank und Toilette abbildet ohne dabei pathetisch oder pädagogisch zu werden. Mia lässt das Publikum teilhaben an den Gefühlsregungen und Gedanken eines bulimisch kranken Menschen. Sie ist perfektionistisch, will es jedem recht machen, zweifelt dabei ständig an sich selbst und überfordert sich maßlos. Mia findet sich zu fett und sie ist zutiefst einsam. Aus Verzweiflung stopft sie Unmengen Nahrungsmittel in sich hinein, um sie gleich wieder auszuspucken. Sie frisst und kotzt und treibt sich zu sportlichen Höchstleistungen an. Das Stück gewinnt immer mehr Tempo: Fressen und Kotzen in immer kürzeren Intervallen, atemlos, unerbittlich, bis der Körper streikt.

Das Stück wurde in Kooperation mit der bremer shakespeare company, der Psychotherapeutenkammer Bremen und dem Landesinstitut für Schule als Präventionsprojekt nach Bremen geholt. Die vier Vorstellungen an zwei Tagen wurden von 340 Menschen besucht: Vormittags überwiegend von Jugendlichen (Schulklassen mit Lehrern, Patienten und Betreuern einer Psychotherapiestation), abends von Lehrern, Psychotherapeuten, Eltern und anderen Interessierten. Im Anschluss an jede Vorstellung gab es viele Fragen, die der Regisseur Hasselmann, die Schauspielerin Gunst, eine weitere ehemalige essgestörte junge Frau, sowie Christine Block von der Psychotherapeutenkammer und Margit Hasselmann vom Landesinstitut für Schule gerne beantworteten.
Die angenehme und offene Atmosphäre dieser Gespräche, führte zu einem lebendigen Austausch untereinander. Viele Fragen der meist jugendlichen Zuschauer kreisten darum, wie man aus so einer Krankheit herausfinden könne und was genau in einer Psychotherapie passiere. Häufig wurde nach konkreten Anlaufstellen in Bremen gefragt und an wen man sich wenden könne, wenn man für sich oder eine Freundin Hilfe sucht. Die Erwachsenen sprachen über ihre Hilflosigkeit und Unsicherheit gegenüber auffälligen jungen Menschen und fragten diese nach ihren Wünschen. Marie Luise Gunst sprach den anwesenden Betroffenen mit ihrer Antwort offensichtlich aus der Seele: "Ja, ich hätte mir so gewünscht, dass die anderen ihre eigene Angst überwinden und mich wirklich gefragt hätten, wie es mir geht. Ich habe mich so allein gelassen gefühlt."
Die Jugendlichen konnten sich spürbar mit der ehemals essgestörten Schauspielerin identifizieren, die in ihrer kraftvollen und positiven Art offen über ihre Erkrankung sprach. Den vielen Rückmeldungen war zu entnehmen, dass dieses Stück Mut gemacht hat, sich nicht aufzugeben, miteinander zu reden und sich helfen zu lassen