Kammerversammlung zeigt sich besorgt um psychotherapeutische Versorgung

22.11.2008: Renate Lappus mit großem Beifall verabschiedet

Aufmersam verfolgten die Kammermitglieder die Ausführungen zur psychotherapeutischen Versorgung

Im Mittelpunkt der Kammerversammlung der PKHB am 18. November, die von der stellvertretenden Präsidentin Dr. Isabel Bataller eröffnet wurde, standen Fragen der psychotherapeutischen Versorgung in Bremen.
In seinem einleitenden Vortrag stellte Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens zunächst die Veränderungen vor, die das gerade verabschiedete Gesetz (GKV-OrgWG) für Psychotherapeuten mit sich bringt. Anhand einer ersten Berechnung auf Basis der Bedarfsplanungsrichtlinien wird es eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit sich bringen. Sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven wird es zu einer Ausweisung neuer Sitze kommen. Allein für Bremerhaven sind neun neue Sitze für Psychotherapeuten, die ausschließlich Kinder und Jugendliche behandeln, zu erwarten. Er zeigte auf, wie notwendig gerade angesichts des Wegfalls der Altersgrenze für Ärzte und Psychotherapeuten die durch den Gesetzgeber präzisierte Verpflichtung für die Kassenärztliche Vereinigung ist, halbe Praxissitze zwingend neu auszuschreiben. Ebenfalls informierte er über die positive Entwicklung der Honorare für Vertragspsychotherapeuten im kommenden Jahr.

Umfassend legte er anhand der Zahlen für die Stadt Bremen einerseits dar, wie gut die Versorgungssituation für psychisch kranke Menschen im Vergleich zu vielen anderen Regionen Deutschlands ist. Es komme dennoch zu erheblichen Engpässen. Teilweise lange Wartezeiten, ungleiche regionale Verteilung der Praxissitze, unzureichende Versorgungsangebote für spezielle Patientengruppen belegten, dass die Profession gefordert sei, an der Optimierung und Neuausrichtung der Versorgungsangebote zu arbeiten. Dies würde auch durch den im September vorgelegten Gesundheitsbericht der Senatorin für Gesundheit zur Depression dargelegt, der erstmalig in einem Bundesland erarbeitet wurde.
Abschließend informierte Herr Schrömgens über die Strategie der KVHB , psychotherapeutische Praxissitze stillzulegen und damit dauerhaft der Versorgung zu entziehen. An dieser Stelle entwickelte sich eine intensive und kontroverse Diskussion. In zahlreichen Beiträgen kam die Besorgnis der Kollegen zum Ausdruck , dass dadurch eine Verschlechterung der Behandlungsangebote für psychisch kranke Menschen eingeleitet wird und für den psychotherapeutischen Nachwuchs die Möglichkeiten, in die Niederlassung zu gelangen, noch ungünstiger werden. Aber es gab auch gegenteilige Meinungen, die dieses Vorgehen der KV begrüßten und die vor allem von den psychotherapeutischen Vertretern in der KV-Vertreterversammlung vertreten wurden. Eine Verringerung der Sitze würde der Gefahr entgegenwirken, dass es zukünftig im Rahmen von Verteilungskämpfen zu einer Absenkung psychotherapeutischer Honorare kommen könnte. Insbesondere wurde auf den Passus im SGB V verwiesen, dass ab dem Jahr 2011 Zu- und Abschläge in unter-, bzw. überversorgten Gebieten vorgesehen sind. Da Bremen und Bremerhaven in der Bedarfsplanung als überversorgt gelten, müsste diese Strategie der KVHB unterstützt werden. Im Ergebnis fand aber eine vom Kammervorstand vorgelegte Resolution gegen zwei Gegenstimmen eine überwältigende Zustimmung, die sich gegen diese Strategie der KVHB aussprach.

Verabschiedung von Renate Lappus auf der Kammerversammlung am 18.11.08

Ein Höhepunkt der Versammlung wurde die Verabschiedung von Frau Renate Lappus, die zu Ende dieses Monats ihre Tätigkeit als Büroleiterin der Geschäftsstelle aus Altersgründen beendet. Karl Heinz Schrömgens würdigte den achtjährigen unermüdlichen Arbeitseinsatz von Frau Lappus und ihre stets freundliche Art, die Anliegen der Kammermitglieder aufzugreifen. Er habe ihre Tätigkeit stets als eine große Unterstützung erlebt. Die Kammerversammlung dankte Frau Lappus mit lang anhaltenden Beifall. Anschließend wurde der Kammerversammlung Frau Berger vorgestellt, die seit Mitte September als Nachfolgerin von Frau Lappus eingearbeitet wurde. Herr Schrömgens zeigte sich zuversichtlich, dass Frau Berger die Arbeit der Geschäftsstelle in guter Weise fortführen wird.

Die Versammlung diskutierte anschließend Vorschläge zur Weiterentwicklung der Arbeitsweise der Kammerversammlung und wandte sich danach den Finanzangelegenheiten der Kammer zu. Uwe Klein, Vorsitzender des Finanzausschusses, erstattete Bericht zum Jahresabschluss 2007 und beantragte die Entlastung des Vorstandes. Dem wurde einstimmig entsprochen. Der vom Finanzverantwortlichen des Vorstandes Hans Schindler vorgestellte Haushaltsplan für das Jahr 2009 und der darauf beruhende gleich bleibende Hebesatz in Höhe von 0,86 Prozent fand ebenfalls bei wenigen Enthaltungen die Zustimmung der Anwesenden.

Im Schlusswort fasste Karl Heinz Schrömgens die wesentlichen Ergebnisse zusammen und lud die Teilnehmer zum traditionellen Ausklang der Versammlung bei Sekt, Saft und Selters ein.