Kammer initiativ zugunsten Psychotherapeuten in der Ausbildung

09.12.2008: In einem Schreiben an die fünf im Land Bremen ansässigen Bundestagsabgeordneten Völker Kröning, Uwe Beckmeyer (jeweils SPD), Bernd Neumann (CDU), Beck (Bündnis 90 - Die Grünen) und Axel Trost (Die Linke) wies die Kammer auf die weitgehend fehlende Vergütung von Psychotherapeuten in der Ausbildung während ihrer praktischen Tätigkeit in der Psychiatrie hin und forderte im Krankenhausfinanzierungsreformgesetz eine Regelung zur Refinanzierung von psychotherapeutischen Ausbildungskosten aufzunehmen.

In dem Schreiben heißt es:

"Psychotherapeuten durchlaufen im Anschluss an ihr abgeschlossenes Hochschulstudium eine in Vollzeit mindestens drei Jahre, bzw. berufsbegleitend mindestens fünf Jahre dauernde Ausbildung. Diese Ausbildung ist privat zu finanzieren. Das Gesetz schreibt zudem praktische Tätigkeit von insgesamt mindestens eineinhalb Jahren vor, wovon ein Jahr in einem psychiatrischen Krankenhaus abgeleistet werden muss. In dieser Zeit sind die Ausbildungsteilnehmer unter Anleitung psychotherapeutisch tätig. Dabei sind sie voll in die Stationsarbeit integriert. Eine angemessene Vergütung wird ihnen dabei jedoch fast immer verweigert. Bundesweit erhalten 57 Prozent gar keine Vergütung. Im Land Bremen gibt es nur eine Klinik, die eine geringfügige Vergütung in Höhe von 256 € monatlich zahlt. Der Gesetzgeber hat das Problem bei anderen Berufen längst erkannt und für diese eine Refinanzierung der Ausbildungskosten ermöglicht.

Die Bremer Psychotherapeutenkammer hat in der Vergangenheit mehrfach auf diese Problematik aufmerksam gemacht und Gespräche mit Klinikleitern, Kassenvertretern und der Gesundheitsbehörde geführt. Übereinstimmend war dieser Missstand verurteilt worden, aber zugleich auf die fehlende bundesgesetzliche Regelung verwiesen worden. Erst im Mai 2008 klagte Frau Senatorin Ingelore Rosenkötter in ihrem Grußwort auf dem Deutschen Psychotherapeutentag in Bremen die Beendigung dieses unhaltbaren Zustandes ein. Sie führte aus: Bezüglich der Ausbildung angehender Psychotherapeuten werden Lösungen entwickelt werden müssen, wie die praktischen Ausbildungsanteile in der Psychiatrie besser strukturiert werden können und die Ausbildungskandidaten einen Status erhalten, der auch eine angemessene Vergütung für ihren Einsatz rechtfertigt. Auch wenn dies zu Mehrkosten in den Ausbildungsstätten führt, unterstütze ich hierbei eine bundeseinheitliche Regelung, die den bisherigen Tatbestand der Ausbeutung beendet.

Das im Gesetzgebungsprozess befindliche Krankenhausfinanzierungsreformgesetz bietet die Möglichkeit, diesen "Makel" zu beseitigen. Aus unserer Sicht ist es daher dringend geboten, die Refinanzierungsregelung des § 17a Krankenhausfinanzierungsgesetz auf die Ausbildung von Psychotherapeuten zu erstrecken. Wir möchten Sie bitten, sich für eine entsprechende Änderung im Krankenhausfinanzierungsreformgesetz einzusetzen."

Ebenfalls wurde Frau Senatorin Ingelore Rosenkötter angeschrieben und um Ihre erneute Unterstützung im Rahmen dieses Gesetzgebungsverfahrens gebeten.