Podiumsdiskussion der Kammer zur Woche der seelischen Gesundheit stieß auf großes Interesse

05.11.2012: Das Thema „Wenn Arbeit krank macht…“ wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet

Der diesjährige Beitrag der Psychotherapeutenkammer zur „Woche der seelischen Gesundheit“ stieß auf ein breites Interesse. Zu der von der Kammer veranstalteten Podiumsdiskussion „Wenn Arbeit seelisch krank macht… - Gesundheitsmanagement in Betrieben. Was stärkt die Mitarbeiter?“ kamen am 8. Oktober rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörer in das Fortbildungszentrum der Bremer Ärztekammer am Klinikum Bremen-Mitte. Unter der Moderation von Axel Janzen, Beisitzer im Kammervorstand, wurde den Fragen nachgegangen, welche krank machenden Faktoren es am Arbeitsplatz gibt, wie sie einzudämmen sind und welche präventiven Ansätze sich in den Betrieben bewährt haben.

v.l.n.r.: Björn Husmann, Helga Loest, Axel Janzen, Birgit Holtmann, Uwe Schmid

Auf dem Podium diskutierten Birgit Holtmann, Personalleiterin der Eurogate-Gruppe in Bremen und Bremerhaven, Uwe Schmid, Gewerkschaftssekretär von ver.di Bremen, der Bremer Psychotherapeut und 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Entspannungsverfahren, Björn Husmann, und Kammervorstandsmitglied Helga Loest, die als Coach und Organisationsberaterin tätig ist. Axel Janzen führte in das Thema ein und beeindruckte mit Zahlen, die die Dimension des Problems verdeutlichten. Demnach stieg allein die Zahl der Burnout-Diagnosen seit 2004 um 1400 Prozent. Der Anteil der seelischen Erkrankungen an Krankschreibungen beträgt derzeit 12,5 Prozent. Damit hat sich der Anteil seit 2000 etwa verdoppelt. Rund 40 Prozent aller vorzeitigen Verrentungen gehen mittlerweile auf das Konto psychischer Erkrankungen.

Birgit Holtmann gab Einblicke in die betriebliche Wirklichkeit und wies darauf hin, dass ihr Unternehmen gerade in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen habe, um seelischen Erkrankungen angemessen zu begegnen beziehungsweise ihnen vorzubeugen. Insbesondere das Eingliederungsmanagement sei verbessert worden und die betriebliche Sozialberatung habe ihre Angebote um Aspekte psychischer Belastung/Erkrankung erweitert.

Uwe Schmid, der als Gewerkschaftssekretär für die Bereiche Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen zuständig ist, berichtete von zunehmenden seelischen Belastungen gerade in den von ihm vertretenen Bereichen. Insbesondere in zuwendungsorientierten Berufen wie Kranken und Altenpflege, Sozialarbeit oder Medizin komme zu der Arbeitsverdichtung ein intensiver Kontakt mit Fragen von Leid, Schmerz und Tod, der nicht spurlos an den helfenden Personen vorbeigehe und seelisch sehr belastend sein könne.

Podiumsdiskussion stieß auf großes Interesse

Welche Hilfen es für Menschen gibt, die bereits seelisch erkrankt sind, beschrieb Björn Husmann in seinem Statement. Er verwies darauf wie wichtig es sei, dass Betroffene sich professionelle Unterstützung holten, um ihre psychische Erkrankung behandeln zu lassen. Viele Menschen seien so belastet, dass sie den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen verlieren würden. Die Folge sei, dass ihre Genuss- und Regenerationsfähigkeit abnehme und sie diese in der Psychotherapie erst wieder aufbauen müssten.

Wie wichtig Führungskräfte sind, wenn es um das Thema seelische Gesundheit am Arbeitsplatz gehe, verdeutliche Helga Loest. Sie verwies auf die Vorbildfunktion der Vorgesetzten. Die Beschäftigten nicht nur als Produktivitätsfaktor, sondern auch als Mensch zu sehen, sei wichtig. Betriebliche Beratungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die neben sozialen auch die psychischen Probleme der Beschäftigten berücksichtigen, seien sinnvoll und notwendig.

Dass das Thema viele ansprach, war auch den Reaktionen aus dem Publikum zu entnehmen. Viele Zuhörer melden sich zu Wort und diskutierten mit. Der lebhafte Austausch sorgte für einen interessanten Abend, der einmal mehr verdeutlichte, wie wichtig das Thema seelische Gesundheit in dieser Zeit geworden ist.