Bremer AOK beendet Recherche wegen PTBS

26.02.2013: Auswertung der zweijährigen Erprobungsphase ergab geringen Nutzen bei hohem Verwaltungsaufwand

In der Vergangenheit hatte die AOK Bremen/ Bremerhaven regelhaft Psychotherapeuten angeschrieben, wenn im Psychotherapieantrag die Diagnose „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS) vergeben worden war. Das Motiv der AOK war zweierlei begründet: Zum Einen hatte sie die Sorge, dass ihre Versicherten, die infolge einer Gewalttat oder eines Unfalls eine PTBS entwickelt hatten, in nicht ausreichendem Maße über weitergehende Hilfsmaßnahmen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) bzw. der Berufsgenossenschaften, sofern diese zuständig sind, informiert würden. Zum Zweiten spielten Kostenüberlegungen eine Rolle, nämlich dass in solchen Fällen das Versorgungsamt bzw. die Berufsgenossenschaften die Kosten der psychotherapeutischen Behandlung übernehmen. Dahinter stand die – nicht ganz unberechtigte – Annahme, dass kassenzugelassene Psychotherapeuten nicht ausreichend über die Verpflichtung aus dem § 294a, SGB V informiert seien, nach dem Leistungserbringer die Kasse informieren müssen, wenn entsprechende Anhaltspunkte vorliegen, dass andere Kostenträger zuständig sind. Die PKHB hatte zunächst die Position vertreten, dass die Kasse nicht berechtigt ist, von sich aus ohne hinreichenden Grund eine solche Anfrage zu richten. Die bloße Vergabe der Diagnose PTBS reiche dafür nicht aus. Allerdings hatte die Kammer auch die Notwendigkeit gesehen, ihre Mitglieder über die sozialrechtlichen Implikationen entsprechend zu informieren.
Vor diesem Hintergrund war Anfang 2011 ein ausführliches gemeinsames Informationsschreiben der AOK und der PKHB erarbeitet worden, in dem die verschiedenen Leistungen des OEG und der Berufsgenossenschaften und die Wege der Beantragung dargestellt wurden. Dieses Schreiben legte die Kasse ihrem Anschreiben in der Folge bei. Betont wurde aber auch die besondere Verantwortung des Psychotherapeuten, sorgfältig die psychische Verfassung des Patienten bei der Information und Beantwortung zu berücksichtigen.

Irritationen im Kollegenkreis


Diese Anschreiben hatten jedoch immer wieder zu Irritationen bei Psychotherapeuten geführt, insbesondere dann, wenn es nicht um akut Traumatisierte ging, sondern Gewalttaten lange zurück lagen. Auf Initiative des Kammerpräsidenten Karl Heinz Schrömgens kam es Ende Januar zu einem Evaluationsgespräch im Haus der AOK, bei dem von Seiten der Kasse Direktor Manfred Adryan und die Abteilungsleiter Herr Markus und Herr Blanke teilnahmen. Die AOK legte die entsprechenden Zahlen und die Ergebnisse vor: Im Zeitraum 2011/12 gab es 323 Fälle, in denen die AOK Behandler angeschrieben hat. In 247 Fälle haben die Behandler verneint, dass die Erkrankung durch Dritte verursacht worden war. 36 Behandler haben die Anfrage auch nach Erinnerung nicht beantwortet. 34 Behandler haben die Anfrage positiv beantwortet. In 27 Fällen wurde das Versorgungsamt eingeschaltet. Es kam in einem Fall zu einem positiven Bescheid des Versorgungsamtes. Karl Heinz Schrömgens nutze das Gespräch, um die Kassenmitarbeiter in die Komplexität von Traumafolgestörungen einzuführen und dass es insbesondere bei länger zurück liegenden Gewaltereignissen häufig nicht möglich monokausal Ursachen zu bestimmen.

Angesichts des geringen Erfolges der Aktion und des hohen Verwaltungsaufwandes erklärte sich die AOK jetzt bereit, ab sofort auf diese Anschreiben zu verzichten. Die PKHB versicherte, ihre Mitglieder weiterhin über die verschiedenen Kostenträger zu beraten und sie anzuhalten, Patienten entsprechende Hilfestellungen zu geben, bzw. darauf zu verweisen, dass Mitarbeiter der AOK bereit sind, eventuelle Anliegen von Versicherten, Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zu beantragen, zu unterstützen. Diese Hilfestellung würde individuell erfolgen. Ebenfalls zeigte sich die AOK bereit, sollten Fortbildungsveranstaltungen der PKHB zu diesen Themen geplant sein, Referenten der Kasse zur Verfügung zu stellen. Die AOK plant einen Flyer, um ihre Versicherten über das Opferentschädigungsgesetz und mögliche Ansprüche daraus aufzuklären. Die Kammer sicherte ihre Bereitschaft zu, an diesem Flyer unter fachlichen Gesichtspunkten mitzuwirken.

Zugehörige Dateien:
Gemeinsames Informationsschreiben von AOK und PKHBDownload (95 kb)