Gesundheitssenator und Kammervorstand tauschten sich aus

Einen intensiven Gedankenaustausch hatten Dr. Sylvia Helbig-Lang, Helga Loest, Gesundheitssenator Dr. Hermann Schulte-Sasse und Karl Heinz Schrömgens (von links).

Dr. Hermann Schulte-Sasse wird Gemeinsames Landesgremium ins Leben rufen

Gesundheitssenator Dr. Hermann Schulte-Sasse hat am 24. April Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens und die beiden Beisitzerinnen des Vorstandes, Dr. Sylvia Helbig-Lang und Helga Loest, zu einem ausführlichen Gespräch in seinem Dienstgebäude empfangen. Der Kammervorstand nutzte dabei die Gelegenheit, den Senator über die wenige Tage vorher auf dem 24. Deutschen Psychotherapeutentag gefassten Beschlüsse zu informieren.

Karl Heinz Schrömgens erläuterte in diesem Zusammenhang, wie wichtig die geforderte Aufhebung der Befugniseinschränkung für Psychotherapeuten ist. Es sei nicht im Interesse der Patienten, diese nicht krankschreiben oder in eine Klinik einweisen zu können. Auch die Forderungen des Psychotherapeutentages, die Akutversorgung zu verbessern und für psychisch kranke Menschen mit einem komplexen Behandlungsbedarf einen neuen Paragrafen 116 c ins Sozialgesetzbuch V zu schreiben, nahm der Senator mit Interesse auf.

Der Vorstand verdeutlichte ferner seine Kritik an der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie. Durch die Neufestsetzung der Verhältniszahlen käme es trotz langer Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu einer nominellen „Überversorgung“ von 187 Prozent in Bremen und 135 Prozent in Bremerhaven. Dies sei alles andere als eine versorgungsorientierte Politik.

Einen breiten Raum in dem Gespräch nahm das Thema Ausbildungsreform ein. Dr. Schulte-Sasse informierte sich ausführlich über die so genannte Direktausbildung, die die Politik gegenüber der jetzigen postgradualen Ausbildung favorisiert. Von Seiten des Vorstandes wurde auf das Problem der Studienabschlüsse verwiesen. Es sei für die Qualität der Ausbildung problematisch, wenn in einigen Bundesländern im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie auch Bewerber mit einem Bachelor- und nicht mit einem Master-Abschluss einen Ausbildungsplatz bekämen. Eine zentrale Steuerung wäre in diesem Fall besser als eine föderale.

Lebhaft diskutiert wurde darüber hinaus die Frage, ob der Studiengang Psychologie an der Bremer Universität langfristig gesichert sei. Das befristete Besetzen von Hochschullehrerstellen im Studiengang Psychologie sorge für Unruhe. Dr. Sylvia Helbig-Lang wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein Auslaufen des Studienganges auch Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung haben würde. Immerhin würden an den Hochschulambulanzen pro Quartal 250 Patientinnen und Patienten behandelt.

Die Vorstandsmitglieder gingen zudem auf die rechtliche Situation von Psychotherapeuten in Kliniken ein. Sie verwiesen auf eine 2011 von der Kammer veröffentlichte Stellungnahme zu diesem Thema, an der der renommierte Medizinrechtler Professor Dr. Robert Franke maßgeblich mitgearbeitet hat. Helga Loest verwies darauf, dass es in diesem Bereich einen großen Klärungsbedarf wegen der in den Kliniken oft noch anzutreffenden Unschärfe gebe, wer im Bereich der Psychotherapie tätig sein darf.

Dr. Hermann Schulte-Sasse informierte zum Abschluss des Gesprächs darüber, dass er ein Gemeinsames Landesgremium ins Leben rufen möchte. Das Anfang 2012 in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz sieht die Möglichkeit der Gründung eines Gemeinsamen Landesgremiums vor, in dem Vertreter des Landes, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassen, der Landeskrankenhausgesellschaft, der Ärzte- und Psychotherapeutenkammern sowie weiterer Akteure Empfehlungen zur sektorenübergreifenden Versorgung und zur Aufstellung und Anpassung des Bedarfsplanes abgeben können. Die Vorstandsmitglieder zeigten sich erfreut über die Absichtserklärung des Gesundheitssenators und kündigten an, in diesem Gremium aktiv mitzuarbeiten, um die immer wichtiger werdenden psychischen Aspekte der Gesundheit in die Debatte einbringen zu können.