Modellprojekt zur besseren Versorgung psychisch kranker Menschen in Bremerhaven

04.03.2014: PKHB hält Einbeziehung von Psychotherapie für unverzichtbar

Ende Februar fand im „Zentrum für seelische Gesundheit“ auf Einladung der PKHB die diesjährige Psychotherapeutenversammlung Bremerhaven statt. Traditionell waren auch die ärztlichen Psychotherapeuten als Gäste eingeladen. Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens führte in das oben genannte Thema ein. Anschließend stellten Dr. Heiko Heißenbüttel, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes, und Prof. Dr. Uwe Gonther, Chefarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Reinkenheide, die Versorgungssituation aus ihrer Perspektive dar. Herr Schrömgens sprach insbesondere in der Behandlung von psychisch kranken Menschen mit komplexem Leistungsbedarf die ungenügende Einbeziehung psychotherapeutischer Kompetenz an. Zwar würden alle gängigen Leitlinien dies empfehlen, doch fände Psychotherapie in der Realität weder im stationären Feld noch in der vertragspsychotherapeutischen Behandlung in ausreichendem Maße statt. Dies läge nicht nur an den Psychotherapeuten, die die Möglichkeit der Behandlung beispielsweise von psychotischen Patienten nur in geringem Umfange nutzen würden, sondern auch an den zuweisenden Systemen, die immer noch davon ausgingen, dass diese Patientengruppe von Psychotherapie nicht hinreichend profitieren könnten. Dies zeige sich auch in der Umsetzungsplanung des gegenwärtig diskutierten Modellprojektes zur Reform der Psychiatrie in Bremerhaven, welches das Ziel verfolgt, ein neues Steuerungssystems für psychiatrische Leistungen nach dem SGB V, SGB XII und SGB IX in Bremerhaven zu implementieren. In der Beschreibung werde Psychotherapie nicht als zu integrierende Kompetenz, sondern als offene Frage beschrieben, deren Einbeziehung noch zu klären ist. Er begrüßte ausdrücklich das Konzept, gemeindenahe Behandlungsteams, die aufsuchend arbeiten, analog zu international bewährten Konzepten wie das „Need Adapted Treatment“ aus Finnland oder das „Assertive Community Treatment“ aus Großbritannien einzurichten. Er führte in einer 8-Punkte-Liste aus, wie psychotherapeutische Kompetenz in solchen Teams eingebunden werden kann. Herr Gonther betonte in seinem Statement, wie wichtig ihm die Einbeziehung der Psychotherapie ist und wie sehr ihm an einer guten Kooperation zu den psychotherapeutischen Leistungserbringern gelegen ist. Die ungenügende Benennung von psychotherapeutischer Kompetenz im Modellprojekt ließe sich korrigieren. Psychotherapeuten sollten sich an der Entwicklung des Projektes beteiligen. Herr Heißenbüttel forderte in seinem Beitrag dazu auf, dass Psychotherapeuten helfen sollten, schneller zu versorgen und den Erstzugang zur Psychotherapie zu beschleunigen. Er sah die Psychotherapeuten selbst angesichts der nominellen Überversorgung in der Verantwortung, zur Versorgungsverbesserung beizutragen. In der anschließenden Diskussion erklärten sich anwesende psychologische und ärztliche Psychotherapeuten bereit, im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in der KVHB in den Arbeitsgruppen des Projektes mitzuarbeiten.

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Vortrag K.H.Schrömgens-26.02.14 - Versammlung BremerhavenDownload (186 kb)