Screening zu psychischen Auffälligkeiten bei Kindern - Gesundheitsamt bezieht psychischen Status bei Schuleingangsuntersuchungen ein

05.03.2014: Gespräch zwischen Vertretern der PKHB mit der Amtsleitung des Bremer Gesundheitsamtes

Im Jahr 2011 führte das Gesundheitsamt der Stadt Bremen erstmals im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung ein Screening durch, um psychosoziale Auffälligkeiten bei Kindern vor Ihrer Einschulung festzustellen. In einem Gespräch mit Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens und Hilke Schröder, Vertreterin der PKHB im kinder- und jugendpsychiatrischen Ausschuss der Stadt, stellte Anfang Januar Dr. Eberhard Zimmermann, Leiter des Gesundheitsamtes die bisherigen Ergebnisse dar. Am Gespräch nahmen ebenfalls Frau Dr. Sappa, Referatsleiterin im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und Frau Dr. Wagner, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz (KIPSY) teil.

Dieses Vorgehen sei zu Beginn bundesweit einmalig gewesen. Inzwischen seien auch andere Bundesländer diesem Beispiel gefolgt. Eingesetzt wurde für das Screening der SDQ- Fragebogen (Strengths and Difficulties Questionaire), der sich durch Einfachheit und Zuverlässigkeit auszeichnet. Als Ziele dieses Einsatzes bei Schulanfängern benannte er zum einen die Erkennung und Behandlung psychischer Störungen zur Sicherung von Lernerfolg, zum anderen aber auch Daten zur Prävalenz psychischer Auffälligkeiten zu erhalten. Darüber hinaus sollen Erkenntnisse über Risiken und Schutzfaktoren für die seelische Gesundheit gesammelt und Evaluationen von Fördermaßnahmen und Behandlungen im Vorschulalter ermöglicht werden. Entwickelt wurde dieses Screening in enger Abstimmung und Kooperation mit dem Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen.

Im Jahr 2011 und 2012 nahmen jeweils knapp über 90 Prozent der befragten Eltern an dem Screening teil. Einbezogen waren jeweils rund 4.200 Schulanfänger. Im Gesamtergebnis der Auswertung der verschiedenen Skalen des Fragebogens ergaben sich psychische Auffälligkeiten in 2011 bei 19,1 Prozent und in 2012 bei 17,2 Prozent der einbezogenen Kinder. Herr Zimmermann betonte, dass Maßnahmen des Amtes nur dann eingeleitet wurden, wenn die jeweilige Auffälligkeit seit mindesten sechs Monaten beobachtet wurde, in unterschiedlichen Situationen und bei mehr als einer Bezugsperson auftrat und beim Kind oder seinen Bezugspersonen Leidensdruck hervorruft. Die sei mittels standardisierter Nachfragen während der Untersuchung geklärt worden. Für das Jahr 2012 waren bei mehr als der Hälfte (57,7 %) der auffälligen Kinder weitere Maßnahmen nicht indiziert. Da 14,1 Prozent dieser Kinder schon in Behandlung waren, konnte auch dort auf weitere Schritte verzichtet werden. Bei 26,6 Prozent, absolut 179 Kinder wurde eine Überweisung zur Diagnostik ausgesprochen. Wegen des Verdachts auf eine psychosoziale Entwicklungsstörung bekamen die Bezugspersonen dieser Kinder eine „Verweisung“ zur Diagnostik und gegebenenfalls Therapie. Nach Aussage von Herrn Zimmermann wurde diese Eltern auf die niedergelassenen Kinderpsychiater, bzw. Kinderpsychotherapeuten verwiesen, ihnen aber auch das Angebot gemacht, sich an die Hochschulambulanz für Kinder zu wenden, da dort innerhalb von acht Wochen eine diagnostische Untersuchung sichergestellt würde.

Von Seiten der Psychotherapeutenkammer wurde im Gespräch problematisiert, dass ihrer Kenntnis nach sowohl bei den Kinderpsychiatern als auch bei den Kinderpsychotherapeuten in den zurückliegenden Jahren anscheinend nie Eltern mit einer Verweisung des Gesundheitsamtes vorstellig geworden waren. Es wurde die Annahme geäußert, dass die unspezifische Verweisung auf den niedergelassenen Bereich und die sehr spezifische Verweisung auf die Hochschulambulanz zu einer weitgehend ausschließlichen Inanspruchnahme der Hochschuleinrichtung geführt habe. Dies werde auch deshalb als problematische angesehen, da der Kinderbereich der Hochschulambulanz wiederholt in die Kritik geraten war, weil dort nur sehr unzureichend psychotherapeutische Kompetenz vorgehalten werde.

Die PKHB bot an, dem Gesundheitsamt eine genaue Liste Kammerangehörigen zur Verfügung zu stellen, die eine sozialrechtliche Qualifikation zur Behandlung von Kindern besitzen, unterschieden nach den gegenwärtigen Behandlungsverfahren. Sie werde sich auch bei ihren Mitgliedern dafür einsetzen, dass die vom Gesundheitsamt gewünschte Rückmeldung über Diagnose und weitere eingeleitete Behandlungsmaßnahmen vorgenommen werde, sofern eine Einverständniserklärung dafür vorliege.

Im Ergebnis des Gespräches wurde folgende Verabredung getroffen:

• Die PKHB stellt zeitnah dem Gesundheitsamt eine Liste aller qualifizierten Behandler, die eine Kassenzulassung besitzen, zur Verfügung, aus denen neben den Kontaktdaten auch die Therapieverfahren hervorgehen.

• Das Gesundheitsamt sichert zu, den Eltern zukünftig diese Liste zusammen mit einer Liste der bremischen Kinderpsychiater und dem Verweisungsbogen zu überreichen.

• Die PKHB informiert diese Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über das SDQ-Screening bei den Schuleingangsuntersuchungen und den Verweisungsbogen und wirbt dafür, diesen Kindern zeitnah eine vertiefte Diagnostik anzubieten und wenn erforderlich Behandlungsangebote zu unterbreiten. Ebenfalls wirbt sie dafür, die Rückmeldungen, wie im Verweisungsbogen vorgesehen, an das Gesundheitsamt weiterzuleiten.