Bremer Psychotherapeutenschaft hält Argumentation des Wissenschaftsressorts für fadenscheinig

19.05.2014: Kammerversammlung wendet sich gegen Schließung des Studiengangs Psychologie

„Mit Befremden und Empörung“ haben die Mitglieder der Bremer Psychotherapeutenkammer auf ihrer Versammlung am 13. Mai 2014 die vom Wissenschaftsressort geplante Schließung des Studiengangs Psychologie an der Bremer Universität zur Kenntnis genommen. In einer Resolution betonen die Bremer Psychotherapeutinnen und –therapeuten, dass eine Schließung des Studiengangs den Zugang zu dem immer stärker nachgefragten Beruf des Psychotherapeuten erschwere und damit mittelfristig zu einer Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung psychisch kranker Menschen im nordwestdeutschen Raum führe.

Die Universität Bremen ist die einzige Hochschule im nordwestdeutschen Raum, an der eine grundstöckige, das heißt einen Bachelor und darauf aufbauend einen Masterstudiengang Klinische Psychologie vorhaltende, psychologische Ausbildung möglich ist. Die Absolventen des Master-Studiengangs Klinische Psychologie erfüllen damit die Zugangsvoraussetzungen zur postgradualen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Im Land Bremen gibt es insgesamt fünf Ausbildungsstätten für Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Das sind nach Auffassung der Kammermitglieder gute Bedingungen, um den psychotherapeutischen Nachwuchs zu sichern.

Eine qualifizierte Ausbildung des psychotherapeutischen Nachwuchses ist, so die Mitglieder der Psychotherapeutenkammer, für die gesundheitliche Versorgung der Menschen in der Region von großer Bedeutung. Angesichts der Zunahme psychischer Erkrankungen und des damit verbundenen eklatanten Anstiegs der Frühberentungen und der Arbeitsunfähigkeitszahlen sei der jetzt von der Senatorin für Bildung und Wissenschaft in den Senat eingebrachte Wissenschaftsplan 2014 bis 2020, in dem der Studiengang Psychologie keine Rolle mehr spiele, nicht hinnehmbar. Die Kammermitglieder gehen davon aus, dass der Bedarf an psychotherapeutischen Leistungen in den kommenden Jahren stark ansteigen wird. „Jetzt die Zugangsvoraussetzungen dazu zu kappen, ist ein Angriff auf die Gewährleistung einer angemessenen gesundheitlichen Versorgung der Menschen in unserer Region“, heißt es dazu in der Resolution.

Die Argumentation des Wissenschaftsressorts für eine Schließung des Studiengangs, wonach die Lehre in diesem Fach im Hochschulranking nur hintere Plätze einnehme, die Forschungsergebnisse unzureichend und der Studiengang nicht vernetzt und in die Wissenschaftsschwerpunkte des Landes eingebunden seien, hält die Bremer Psychotherapeutenschaft für fadenscheinig. Dass der Studiengang „nicht zur Profilbildung der Bremer Universität“ – wie in der Argumentation ausgeführt, beitrage, sei ein hausgemachtes Problem. Dazu heißt es in der Resolution wörtlich:

• „Das Wissenschaftsressort hat in den letzten Jahren systematisch zur Verschlechterung der Lehre am Studiengang beigetragen, indem Hochschullehrerstellen nicht besetzt oder nur befristet ausgeschrieben wurden. Damit wurde wissentlich ein Zustand geschaffen, der jetzt beklagt wird, nämlich dass Hochschullehrerstellen vakant sind, bzw. aus Altersgründen in nächster Zeit frei werden.

• Der Studiengang Psychologie war und ist in bundesweiten Multi-Center-Studien zur Erforschung von psychischen Störungen eingebunden. Er hat eine hohe Reputation in der Erforschung von psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Er ist wesentlich tätig in der Erforschung von Projekten zur medizinischen Rehabilitation. Im Bereich der Glücksspielforschung ist er bundesweit anerkannt.

• Als einer der Schwerpunkte, die zur Profilbildung der Universität beitragen, sind die Gesundheitswissenschaften benannt. Als Teil des Fachbereichs 11 „Human- und Gesundheitswissenschaften“ ist das Fach Psychologie unmittelbar eingebunden. Mängel in der universitären Vernetzung sind nicht mit Schließung, sondern mit einer entsprechenden Wissenschaftsförderung, z.B. durch die Berufung entsprechender Wissenschaftler auf vakante Stellen, zu beantworten.

Aus unserer Sicht wird die Senatorin für Bildung und Wissenschaft ihrer Verantwortung für die gesundheitliche Versorgung der Menschen in unserer Region nicht gerecht. Wissenschaft hat dem Menschen zu dienen. Die Fortführung des Studienganges Psychologie an der Universität Bremen ist dringend erforderlich und sollte durch eine entsprechende personelle Ausstattung unterstützt werden. Ebenso sehen wir den Bedarf an einer fachlichen Neuausrichtung des Studienganges, um eine angemessene Ausbildung zu gewährleisten.“

Zugehörige Dateien:
Entschließung der Kammerversammlung vom 13.05.14 zur geplanten Schließung des Studienganges PsychologieDownload (97 kb)