Mitglieder setzen sich für Direktausbildung ein

19.11.2014: Bremer Kammerversammlung spricht sich für umfassende Reform der Psychotherapieausbildung aus und warnt vor Abbau psychotherapeutischer Sitze

Die Bremer Psychotherapeuten haben sich auf ihrer 31. Kammerversammlung am 11.

v.l.: Michael Krenz, Hans Schindler, Karl Heinz Schrömgens

November mit großer Mehrheit für eine umfassende Reform der Psychotherapeutenausbildung ausgesprochen. Dadurch sollen auch die derzeit unklaren Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung nach Etablierung des Bachelor- und Mastersystems geklärt werden. Zudem sei es erforderlich, den Status der Ausbildungsteilnehmer (PiA) im Rahmen ihrer praktischen Tätigkeit zu definieren und darüber hinaus die noch immer fehlende Gleichstellung psychologischer Psychotherapeuten mit Fachärzten durchzusetzen. In einer von den Mitgliedern verabschiedeten Resolution wurde als vorrangiges Ziel der Reform eine Angleichung der Ausbildung an andere akademische Heilberufe gefordert. Deshalb müsse das Reformmodell ein Studium der Psychologie mit Abschluss eines Staatsexamens und Erhalt der Approbation als einheitliche Zugangsvoraussetzung für eine vertiefende Weiterbildung sicherstellen. Das Studium sollte dabei neben der Lehre der klinischen Psychologie auch die Grundlagen der wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren, wesentliche Inhalte der psychologischen Grundlagendisziplinen sowie die psychologische Methodik und Diagnostik enthalten. Die anschließende, mindestens dreijährige Weiterbildung sollte mit der Erlangung der Fachkunde enden. „Innerhalb der Weiterbildung erfolgt eine Spezialisierung in wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren sowie der Tätigkeit in verschiedenen Altersgruppen. Die Weiterbildung wird in Anlehnung an tarifrechtliche Regelungen vergütet.“, heißt es dazu in der Resolution.

Die Versammlungsteilnehmer waren sachkundig in das Thema eingeführt worden. Michael Krenz, Psychotherapeut und Psychoanalytiker sowie Präsident der Berliner Psychotherapeutenkammer, ging in seinem Vortrag zunächst auf die zahlreichen Veränderungen ein, die seit der Psychotherapieausbildung im Jahr 1999 eingetreten sind, um daraus abgeleitet die Notwendigkeit einer Reform darzulegen. Er stellte kurz die vier wichtigsten Modelle vor und erläuterte die unterschiedlichen Sorgen bezogen auf die sogenannte basale Direktausbildung. Zugleich betonte er auch die Chancen, die dieses Modell mit sich bringe. Die basale Direktausbildung sieht die Approbation nach einem wissenschaftlichen Hochschulstudium auf Masterniveau vor. In der dann anschließenden Weiterbildung soll es zu einer Schwerpunktbildung in der Behandlung von Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen sowie in wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren kommen. Michael Krenz gehörte selbst zu den Antragstellern, die sich auf dem 25. DPT in München, der wenige Tage nach der Kammerversammlung stattfand, für diesen Weg einsetzten.

Gespannt verfolgen die Kammermitglieder die Diskussion

In der anschließenden Diskussion gab es zahlreiche Wortmeldungen, die sich u. a. mit der Finanzierung der Weiterbildung beschäftigten. Bei der Erteilung der Approbation vor der Weiterbildung müsse die Finanzierung gesichert sein, waren sich die Mitglieder einig. Auch wurde die Sorge geäußert, dass es durch die Reform zu einer Reduzierung der Studienplätze kommen könnte. Zudem müsste eine Reform das EU-Recht berücksichtigen.

Drohender Abbau von Kassensitzen


Im folgenden Bericht des Kammervorstandes informierte Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens die Versammlung zunächst über den im Oktober vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegten Entwurf eines Versorgungsstärkungsgesetzes, das zu erheblichen Änderungen der Regelungen zur Gesetzlichen Krankenversicherung führen wird. Der Entwurf sieht u. a. vor, die bisherige Regelung, wonach in sogenannten überversorgten Gebieten die Weitergabe von Praxissitzen verweigert werden „kann“, wenn die bisherigen Inhaber aus Alters- oder Krankheitsgründen ausscheiden, in eine „Soll“-Regelung umzuwandeln. Damit droht laut Kammerpräsident der Verlust von bis zu 130 Kassen-Praxen in Bremen und 9 Sitzen in Bremerhaven. Dem paritätisch mit Vertretern der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung in Bremen besetzten Zulassungsausschuss, der über die Weitergabe von Sitzen entscheidet, werde damit der Ermessensspielraum erheblich eingeschränkt. In einer auf der Kammerversammlung am 11. November beschlossenen Resolution wird darauf verwiesen, dass die Bedarfsplanung in der Gesetzlichen Krankenversicherung nichts über den tatsächlichen Bedarf an Versorgung psychisch kranker Menschen aussagt. Sie beruhe auf fehlerhaften Bedarfszahlen aus dem Jahr 1999. „Die Anzahl der psychotherapeutischen Praxen, die 1999 als ausreichend festgelegt wurde, hatte schon damals mit dem realen Bedarf nichts zu tun und ist viel zu niedrig angesetzt. Dadurch droht jetzt ein radikaler Abbau von ambulanten Behandlungsplätzen für psychisch kranke Menschen, denn die angebliche Überversorgung mit psychotherapeutischen Praxen existiert nur auf dem Papier“, heißt es dazu in der Resolution. Ohne eine Reform der Bedarfsplanung, die die historischen Fehler aus dem Jahr 1999 korrigiere, sei eine seriöse Versorgungsplanung für psychisch kranke Menschen nicht möglich. Begrüßt wurde von den Psychotherapeuten, dass im Entwurf zum Versorgungsstärkungsgesetz auch die Einführung einer psychotherapeutischen Sprechstunde vorgesehen ist, die den Patienten den Zugang zur Versorgung erleichtern soll. Der Auftrag an den Gemeinsamen Bundesausschuss, bis zum 30. Juni 2016 in den Psychotherapie-Richtlinien Regelungen zur Flexibilisierung des Therapieangebotes, insbesondere zur Einrichtung von psychotherapeutischen Sprechstunden, zur Förderung von Gruppentherapien sowie zur Vereinfachung des Antrags- und Gutachterverfahrens zu beschließen, gehe in die richtige Richtung.

Zudem wurde auf der Kammerversammlung der Jahresabschluss 2013 vorgelegt. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand und beschlossen anschließend den Haushaltsplan 2015. Positiv wurde dabei zur Kenntnis genommen, dass der Hebesatz zur Berechnung des Kammerbeitrages für das nächste Jahr erneut stabil gehalten werden konnte.

Neue Berufsordnung verabschiedet

Mit großer Mehrheit verabschiedete die Kammerversammlung zudem die Neufassung der Berufsordnung der Psychotherapeutenkammer Bremen. Diese war in einem Ausschuss erarbeitet worden. Die Ergebnisse hatte Amelie Thobaben vorgestellt. Danach wurde bis auf wenige Ausnahmen die Struktur der Muster-Berufsordnung übernommen werden.
Zugehörige Dateien:
Resolution der 31. Kammerversammlung zum VersorgungsstärkungsgesetzDownload (128 kb)
Resolution der 31. Kammerversammlung vom 11.11.14 zur AusbildungsreformDownload (112 kb)
Tätigkeitsbericht des Kammervorstandes an die 31.KammerversammlungDownload (182 kb)