Praxisnachfolge und –übergabe in Bremen - Über 100 Besucher belegten Relevanz des Themas

04.05.2015: „Wie lässt sich Nachfolge und Übernahme klug steuern?“ Unter dieser Fragestellung fand am 22. April eine gute besuchte Fortbildungsveranstaltung der PK Bremen zu Abgabe und Erwerb psychotherapeutischer Praxen statt.


Mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen verfolgten interessiert den Ausführungen von Rechtsanwalt Bernd Rasehorn und Dipl.-Psych. Amelie Thobaben unter Moderation von Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens.

Die Ausschreibung und Nachbesetzung halber und ganzer Vertragspsychotherapeutensitze ist in Bremen und Bremerhaven von zentraler Bedeutung, um angesichts der hohen Prävalenz psychischer Erkrankungen eine gute Versorgung der behandlungsbedürftigen psychisch erkrankten Menschen aufrechtzuerhalten.

Rechtsanwalt Rasehorn verwies auf die Spruchpraxis des Zulassungsausschusses in Bremen, die in der zurückliegenden Zeit mehrfach die Neuausschreibung von Praxissitzen be- bzw. verhindert hat. Auf Drängen der KVHB und der Kassen war festgelegt worden, dass in der Regel Sitze, die weniger als 10 Behandlungsstunden in der Woche erbringen, als nicht ausschreibungsfähig gelten. Erbringen sie zwischen 10 und 20 Stunden, könne nur ein halber sitz ausgeschrieben werden. Erst bei einer durchschnittlichen Wochenleistung von über 20 Sitzungen kommt es zur Nachbesetzung eines ganzen Sitzes.

Vor diesem Hintergrund kommt einer vorausschauenden Planung der Praxisweitergabe eine besondere Bedeutung zu. Dies wird umso wichtiger, da der gegenwärtige Entwurf des „Versorgungsstärkungsgesetzes“ eine weitere Verschärfung vorsieht.

Herr Rasehorn legte die rechtlichen Bedingungen für Praxisweitergabe, Jobsharing und zum sogenannten Übergabe-/Verzichtsmodell dar. Beim letzteren übergibt ein zugelassener Praxisabgeber seinen Sitz auf einen zugelassenen Praxisübernehmer und wird von diesem für eine Übergangszeit angestellt. Der Praxisübernehmer kann auf dem übernommenen Sitz später beruflichen Nachwuchs anstellen und diese Anstellung wiederum in eine Zulassung rückumwandeln sofern der Umfang der angestellten Tätigkeit einem halben oder ganzen Versorgungsauftrag entspricht (gemäß § 103 Abs.4b und § 95 Abs.9b SGB V). Der Zulassungsausschuss hat in diesem Falle dieses Vorgehen zu genehmigen.

Frau Thobaben erläuterte im Anschluss mit vielen Beispielen und anhand von Modellberechnungen, wie eine Praxis gesteuert werden kann, damit eine gute und sichere Übergabe möglich wird. Sie legte einen zusätzlichen Schwerpunkt darauf, wie ein zulassungsrelevanter Leistungsumfang aufrechterhalten werden kann, wenn neben GKV-Behandlungen andere Tätigkeiten ausgeführt wurden.

Im Anschluss an die Vorträge wurden vier Arbeitsgruppen gebildet, die von Frau Thobaben, Herrn Schrömgens und den Rechtsanwälten Detlef Driever und Bernd Rasehorn moderiert wurden. So konnten sich Jobsharing- Anbietende und Jobsharing- Suchende jeweils untereinander austauschen, genauso wie diejenigen, die sich für das Verzichts-/Übernahmemodell oder für das Standardmodell der Praxisnachfolge interessierten. In Anschluss gab es sehr positive Rückmeldungen, sowohl für die vermittelten Inhalte als auch für die Arbeitsformen der Veranstaltung. Die Teilnehmenden konnten sich ebenfalls in Listen eintragen, in denen sie ihr jeweiliges Interesse an Jobsharing oder Verzichts-/Übernahmemodell kundtun konnten.

Zugehörige Dateien:
Vortrag Herr Rechtsanwalt Bernd Rasehorn, 22.04.15Download (306 kb)
Vortrag Frau Dipl.-Psych. Amelie Thobaben, 22.04.15Download (98 kb)