Das Psychotherapeutenversorgungswerk stellt sich vor – Eindrücke von der 37. Kammerversammlung der PK Bremen

Frau Barbara Sieker (Mitte), Geschäftsführerin des PVW

Am 07.11.2017 fand in den Weserterrassen die 37. Kammerversammlung der Psychotherapeutenkammer Bremen statt. Als Gäste konnte Kammerpräsident Karl Heinz Schrömgens Dr. Wiebke Wietschel als Vertreterin der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz und Rechtsanwalt Bernd Rasehorn, Justiziar der Kammer sowie Barbara Sieker, Geschäftsführerin des Psychotherapeutenversorgungswerkes PVW begrüßen.

Entwicklung des Psychotherapeutenversorgungswerks

Ein inhaltlicher Fokus der Veranstaltung lag auf Frau Siekers Darstellung des PVW. Sie berichtete zunächst von der Entstehung des PVW im Jahre 2002 und der daran anschließenden stetigen Entwicklung. Aktuell habe das Versorgungswerk ca. 8.500 Mitglieder aus den Ländern Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Hessen und verfüge pro Jahr über 30,9 Mio. Euro an Beitragseinnahmen. Die Anlage dieses Vermögens erfolge zum großen Teil durch zwei externe Vermögensanlageberatungen, wobei hauptsächlich in sichere Anlagen investiert würde. Nur etwa 5% der Anlagen bestünden in Aktien. Auszahlungen erfolgten in Form von Altersrente, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente, wobei die Altersrente ab einem Alter von 62, spätestens jedoch zum 70. Lebensjahr in Anspruch genommen werden kann. Frau Sieker verwies im Weiteren darauf, dass das PVW ein rein kapitalgestütztes Versicherungssystem sei. Dies habe in den letzten Jahren aufgrund der sinkenden Zinsen dazu geführt, dass es immer schwieriger werde, einen profitablen Zinssatz für Anlagen zu erhalten. Aus diesem Grund habe sich der Verwaltungsrat der PVW entschieden, den Beitragszins 2017 zum ersten Mal zu senken, von ursprünglich 3,5% auf 2,5%. Dies bedeute konkret, dass Anwartschaften, die ab 2017 erworben werden, bei der Auszahlung der Renten geringer verzinst würden als Anwartschaften, die vor 2017 erworben wurden. Darüber hinaus sei in Reaktion auf die schwierige Situation am Kapitalmarkt auch der Ledigenzuschlag abgeschafft wurden. Die Ausführungen stießen bei den Anwesenden auf großes Interesse, was sich in mehrfachen Nachfragen über die Anlagestrategie sowie die Vergleichbarkeit zu privaten Vorsorgemaßnahmen äußerte.

Ergänzungen zum Tätigkeitsbericht

Karl Heinz Schrömgens vertiefte im Anschluss an Frau Siekers Ausführungen den schriftlichen Tätigkeitsbericht des Kammervorstands. Dabei ging er insbesondere auf den aktuellen Stand der Psychotherapiereform sowie der Einschätzung der kürzlich erfolgten Überprüfung der Versorgungsaufträge durch die KV ein. Hier sei zunächst keine weitere Aktivität der KV zu erwarten. Gegenüber der Aufforderung durch die KV, sich in die „Rahmenvereinbarung Bremer Ärzte“ einzuschreiben, zeigte der Vorstand sich ablehnend, da dies keine Vorteile für die Patienten bedeute. Aus ethischen Gründen sei eine Teilnahme nicht zu empfehlen.

Diskussion zur Zukunft der Bremer Kammer

Zukunft der Bremer Kammer unklar

Herr Schrömgens ging darüber hinaus auf zwei Ereignisse in der näheren Zukunft ein: Zum einen finde im April 2018 erstmals seit zehn Jahren wieder ein Deutscher Psychotherapeutentag in Bremen statt. An diesem könne die Kammeröffentlichkeit als Gast teilnehmen; entsprechende Informationen würden rechtzeitig bekannt gegeben. Zum anderen stehe im Frühjahr 2019 die Wahl des Kammervorstands an. Trotz verschiedener Bemühungen des Vorstands konnten bisher keine Nachfolger für das Amt des Präsidenten und seines Stellvertreters gefunden werden. Da Karl Heinz Schrömgens und Hans Schindler nicht für eine weitere Legislaturperiode zur Verfügung stehen, sei es dringend erforderlich, jetzt in eine vertiefte Diskussion über die Zukunft der Bremer Kammer einzusteigen. Würde kein arbeitsfähiger Kammervorstand gewählt, führe dies zwangsläufig zu einer Übertragung der Berufsangelegenheiten an den Staat. Neben Karl Heinz Schrömgens appellierte auch Dr. Wietschel als Vertreterin der Aufsichtsbehörde eindringlich, sich hier zu engagieren, da die Selbstverwaltung der Berufsangelegenheiten ein hohes Gut sei. Sie wies auf das Drängen der Pflegeberufe in verschiedenen Ländern hin, eine eigene Pflegekammer einzurichten. Auf die Regelung der eigenen Angelegenheiten zu verzichten, könne nicht im Interesse der Berufsangehörigen liegen. Im Plenum wurden daraufhin verschiedene Möglichkeiten diskutiert, mit dieser Situation umzugehen; unter anderem wurde der Gestaltungsspielraum hervorgehoben, den ein berufspolitisches Engagement mit sich bringt. Gleichzeitig machten einige neue Kammermitglieder deutlich, dass die Nachfolgeproblematik nicht ausreichend bekannt sei und plädierten dafür, den Bedarf noch einmal stärker zu kommunizieren.

Änderungen der Entgeltordnung und Nachwahl zum Finanzausschuss

Auch im Hinblick auf eine attraktive Gestaltung einer berufspolitischen Tätigkeit brachte der Vorstand der PK Bremen einen Antrag auf Änderung der Entgeltordnung ein. Es wurde vorgeschlagen, Aufwände die im Rahmen der Kammerarbeit für Kinderbetreuung und Betreuung zu pflegender Angehöriger entstehen, bis zu einem Höchstbetrag von 120 Euro/Tag zu erstatten. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

Durch das Ausscheiden von Frau Borowski aus dem Finanzausschuss wurde eine Nachbesetzung erforderlich. Hier kandidierte Elke Mühlmeyer und wurde ebenfalls einstimmig in den Finanzausschuss gewählt. An dieser Stelle sei sowohl Frau Borowski als auch Frau Mühlmeyer für ihr Engagement gedankt.

Abschließend wurde der Jahresabschluss 2016 sowie die Haushaltsplanung für 2018 vorgestellt und ohne Beanstandungen verabschiedet. Der Hebesatz kann durch die solide Haushaltsplanung auch für 2018 bei 0,94% gehalten werden. Wie immer klang der Abend bei Saft und Sekt und angeregten Gesprächen aus.